Seiten

Sonntag, 17. November 2013

DAS DARF DOCH NICHT WAHR SEIN: Was Elementare Bildung im Kindergarten bedeutet, bleibt offenbar für das Verhandlungsteam zur Bildung einer neuen österreichischen Bundesregierung ein Mysterium.



ÖDKH-Stellungnahme zum Regierungs-Plan, dass VolksschullehrerInnen im Kindergarten Sprachförderung übernehmen sollen

 
VolksschullehrerInnen sind keine KindergartenpädagogInnen – und umgekehrt.

Der Kindergarten* ist keine Anlieferinstitution für die Schule – sondern ein eigenständiger Bildungsbereich! In den frühen Lebensjahren werden Kinder im Kindergarten* in vielen Bereichen bei ihrer Kompetenzentwicklung begleitet und gefördert.

Kompetenzen sind die Werkzeuge der Mädchen und Buben die für ihr gesamtes Leben von enormer Bedeutung sind.

In diesen ersten Lebensjahren wird – neben der Familie – der Grundstein für den Lebens-Bildungsweg unserer jüngsten BürgerInnen gelegt.

Nicht „nur“ sprachlich!

Sprache lernen – wie geht das?

Das ist nicht in einem Satz zu beantworten. Doch wenn wir an unsere eigenen Erfahrungen andocken, fällt uns schon einiges ein: Zeit, persönliche Begleitung, sympathische/r Vermittler/in,…

Was wir brauchen, benötigen Kinder noch viel mehr! An erster Stelle steht Beziehungsqualität – denn Kinder lernen alles im Tun, im Austausch – im Spiel. Sie brauchen z.B. ungestörte, ungeteilte Zeit mit der/dem Pädagogin/Pädagogen um sich konzentriert auf den Bildungsprozess einlassen zu können.

Nicht jedes Kind spricht auf dieselbe Methode an – mal braucht es, z.B., Kreativität, Bewegung und/oder Musisches. KindergartenpädagogInnen sind die ExpertInnen für diese frühen Bildungsprozesse – sie haben das theoretische und praktische Wissen für die Kinder im Kindergarten*! VolksschulpädagogInnen sind für eine andere Form des Lernzuganges ausgebildet.

Zu wenige ZahnärztInnen? Nehmt doch KinderärztInnen!

Häufigere Ladendiebstähle – stellt doch pro Geschäft RichterInnen oder AnwältInnen ein!

„Äpfel mit Birnen vergleichen?“ Nein, sondern der Versuch, die Bildungs-Logik des Verhandlungsteams nachzuvollziehen… Die Berufsfelder sind nahe, doch deshalb trotzdem nicht austauschbar.

Massive qualitative Verbesserrungen  im Elementaren Bildungsbereich sind notwendig, denn:

ü  Ja, es gibt österreichweit einen großen Mangel an KindergartenpädagogInnen.

ü  Ja, in den Gruppen sind zu viele Kinder für eine zeitgemäße, individuelle Bildungsarbeit. (In den Klassen übrigens auch…)

ü  Ja, die deutsche Sprache richtig sprechen und verstehen zu können, ist für alle unsere Kinder in Österreich lebensnotwendig -  weil sie die Sprache in allen Lebensbereichen brauchen!

ü  Ja, die Zukunft Österreichs hängt von der umfassenden,  vielfältigen Bildung der Kinder ab, damit diese optimal in Ausbildungs- und Arbeitsprozessen sowie als Teil der demokratischen Gesellschaft erfolgreich und zufrieden sein können.

Die „PädagogInnenbildung NEU“ muss endlich her – für ALLE PädagogInnen!

Seit Jahrzehnten trommeln es ExptertInnen aus vielen Bildungs-Bereichen, dass im Sinne eines nachhaltigen Bildungswesens die Ausbildung ALLER PädagogInnen reformiert werden muss. Hätten die Entscheidungstragenden die, seit vielen Jahren vorliegenden, ExpertInnen- und Kommissionsempfehlungen ernst genommen, wären solche Vorschläge wie der aktuelle unnötig.

Denn dann gäbe es – in diesem Beispiel - ElementarpädagogInnen und PrimarpädagogInnen, die aufgrund der Ausbildung für sich überschneidende Altersgruppen der Kinder, selbstverständlich sowie gleichwertig und gleichberechtigt ihre Kompetenzen kooperativ, im Sinne der erstrebten Bildungsarbeit, tätig sein könnten.

Schon bisher kam es nur aufgrund von persönlichem Engagement von Kindergarten- und VolksschulpädagogInnen zur bereichsübergreifenden Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit verfügt jedoch bislang über keine rechtliche Basis! Sie existiert daher nur durch „good will“ und auch vom Einsatz von Freizeit der Pädagoginnen sowie mancher Unterstützung durch Führungskräfte. Denn elementare Bildung ist immer noch keine Bundesangelegenheit und somit schon formal vom schulischen Bildungswesen getrennt.

Effektive, nachhaltige Kooperation – ja, bitte!

Wir brauchen „neue“ Wege, um dem umfassenden Bildungsauftrag gerecht werden zu können.

Interdisziplinäres Arbeiten ist eine Komponente der erfolgreichen Bildungsarbeit. Ein Blick nach Skandinavien zeigt uns, dass Kindern die besten Bildungsbedingungen verschafft werden können, wenn möglichst viele einschlägige Berufsgruppen gemeinsam an diesem Ziel arbeiten.

Das wollen wir auch für Österreich – als Investition in eine nachhaltige Bildungsarbeit.

Testen allein ist zu wenig!

Maßnahmen müssen gesetzt werden, um endlich die Rahmenbedingungen zur Verfügung zu haben, die die Teams brauchen, um ihr pädagogisches Können zum Vorteil für die Kinder anwenden zu können. Das ergäbe weiters eine  höhere Berufszufriedenheit, was sich positiv auf die verfügbare Anzahl von PädagogInnen auswirkt.
 
Daher fordern wir als ÖDKH das Verhandlungsteam auf, innovativ und kompetent den Rahmen des Themas „Bildung für Kinder ab 0 Jahren“ zukunftsorientiert mit den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen nationaler und internationaler ExpertInnen neu zu gestalten!

*Elementare Bildungseinrichtungen: Kindergarten, Krippe, Krabbelstube,…

Kontakt:

 
 
Raphaela Keller
Vorsitzende des ÖDKH
Thaliastr. 130/12
1160 Wien 

Tel:. +43 (699) 19220503
E-Mail: office@oedkh.at     
Internet: http://www.oedkh.at

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.