ÖDKH-Stellungnahme zum Regierungs-Plan,
dass VolksschullehrerInnen im Kindergarten Sprachförderung übernehmen sollen
VolksschullehrerInnen
sind keine KindergartenpädagogInnen – und umgekehrt.
Der Kindergarten*
ist keine Anlieferinstitution für die Schule – sondern ein eigenständiger Bildungsbereich! In den frühen Lebensjahren werden
Kinder im Kindergarten* in vielen Bereichen bei ihrer Kompetenzentwicklung begleitet und gefördert.
Kompetenzen sind die Werkzeuge der
Mädchen und Buben die für ihr gesamtes
Leben von enormer Bedeutung sind.
In diesen ersten Lebensjahren wird –
neben der Familie – der Grundstein für den Lebens-Bildungsweg unserer jüngsten
BürgerInnen gelegt.
Nicht „nur“ sprachlich!
Sprache
lernen – wie geht das?
Das ist nicht in einem Satz zu beantworten. Doch wenn wir an unsere
eigenen Erfahrungen andocken, fällt uns schon einiges ein: Zeit, persönliche
Begleitung, sympathische/r Vermittler/in,…
Was wir brauchen, benötigen Kinder noch viel mehr! An erster Stelle
steht Beziehungsqualität – denn
Kinder lernen alles im Tun, im Austausch – im Spiel. Sie brauchen z.B.
ungestörte, ungeteilte Zeit mit
der/dem Pädagogin/Pädagogen um sich konzentriert auf den Bildungsprozess
einlassen zu können.
Nicht jedes Kind spricht auf dieselbe Methode an – mal braucht es, z.B., Kreativität, Bewegung und/oder
Musisches. KindergartenpädagogInnen sind die ExpertInnen für diese frühen
Bildungsprozesse – sie haben das theoretische und praktische Wissen für die
Kinder im Kindergarten*! VolksschulpädagogInnen sind für eine andere Form des
Lernzuganges ausgebildet.
Zu
wenige ZahnärztInnen? Nehmt doch KinderärztInnen!
Häufigere
Ladendiebstähle – stellt doch pro Geschäft RichterInnen oder AnwältInnen ein!
„Äpfel mit Birnen vergleichen?“ Nein,
sondern der Versuch, die Bildungs-Logik des Verhandlungsteams nachzuvollziehen…
Die Berufsfelder sind nahe, doch deshalb trotzdem nicht austauschbar.
Massive
qualitative Verbesserrungen im Elementaren
Bildungsbereich sind notwendig, denn:
ü Ja, es gibt österreichweit einen großen Mangel an
KindergartenpädagogInnen.
ü Ja, in den Gruppen sind zu viele Kinder für eine zeitgemäße,
individuelle Bildungsarbeit. (In den Klassen übrigens auch…)
ü Ja, die deutsche Sprache richtig sprechen und verstehen zu können,
ist für alle unsere Kinder in Österreich lebensnotwendig - weil sie die Sprache in allen Lebensbereichen
brauchen!
ü Ja, die Zukunft Österreichs hängt von der umfassenden, vielfältigen Bildung der Kinder ab, damit
diese optimal in Ausbildungs- und Arbeitsprozessen sowie als Teil der
demokratischen Gesellschaft erfolgreich und zufrieden sein können.
Die
„PädagogInnenbildung NEU“ muss endlich her – für ALLE PädagogInnen!
Seit Jahrzehnten trommeln es
ExptertInnen aus vielen Bildungs-Bereichen, dass im Sinne eines nachhaltigen
Bildungswesens die Ausbildung ALLER PädagogInnen reformiert werden muss. Hätten
die Entscheidungstragenden die, seit vielen Jahren vorliegenden, ExpertInnen-
und Kommissionsempfehlungen ernst genommen, wären solche Vorschläge wie der
aktuelle unnötig.
Denn dann gäbe es – in diesem Beispiel -
ElementarpädagogInnen und PrimarpädagogInnen, die aufgrund der Ausbildung für
sich überschneidende Altersgruppen der Kinder, selbstverständlich sowie
gleichwertig und gleichberechtigt ihre Kompetenzen kooperativ, im Sinne der
erstrebten Bildungsarbeit, tätig sein könnten.
Schon bisher kam es nur aufgrund von
persönlichem Engagement von Kindergarten- und VolksschulpädagogInnen zur
bereichsübergreifenden Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit verfügt jedoch
bislang über keine rechtliche Basis! Sie existiert daher nur durch „good will“
und auch vom Einsatz von Freizeit der Pädagoginnen sowie mancher Unterstützung
durch Führungskräfte. Denn elementare Bildung ist immer noch keine
Bundesangelegenheit und somit schon formal vom schulischen Bildungswesen
getrennt.
Effektive,
nachhaltige Kooperation – ja, bitte!
Wir brauchen „neue“ Wege, um dem
umfassenden Bildungsauftrag gerecht werden zu können.
Interdisziplinäres Arbeiten ist eine Komponente der erfolgreichen Bildungsarbeit. Ein Blick nach Skandinavien zeigt uns, dass Kindern die besten Bildungsbedingungen verschafft werden können, wenn möglichst viele einschlägige Berufsgruppen gemeinsam an diesem Ziel arbeiten.
Das wollen wir auch für Österreich – als
Investition in eine nachhaltige Bildungsarbeit.
Testen allein ist
zu wenig!
Maßnahmen müssen gesetzt werden, um endlich die Rahmenbedingungen zur
Verfügung zu haben, die die Teams brauchen, um ihr pädagogisches Können zum
Vorteil für die Kinder anwenden zu können. Das ergäbe weiters eine höhere Berufszufriedenheit, was sich positiv
auf die verfügbare Anzahl von PädagogInnen auswirkt.
Daher fordern wir als ÖDKH das
Verhandlungsteam auf, innovativ und kompetent den Rahmen des Themas „Bildung
für Kinder ab 0 Jahren“ zukunftsorientiert mit den aktuellen wissenschaftlichen
Erkenntnissen nationaler und internationaler ExpertInnen neu zu gestalten!
*Elementare Bildungseinrichtungen:
Kindergarten, Krippe, Krabbelstube,…
Kontakt:
Raphaela Keller
Vorsitzende des ÖDKHThaliastr. 130/12
1160 Wien
Tel:. +43 (699) 19220503
E-Mail: office@oedkh.at Internet: http://www.oedkh.at


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