Ich gehe davon aus, dass sie alle
einen Kindergarten kennen.
Weiters
gehe ich davon aus, dass in Ihrem Kopf Bilder entstehen, wenn Sie an einen
Kindergarten denken. Vielleicht sehen Sie kleine Sesselchen und niedrige
Tische, Garderoben mit Schildchen für jedes Kind, bunte, von den Kindern gemalte
Bilder an den Wänden, vielfältige Spiel- und Bastelmaterialien, jahreszeitlich
passende Dekorationen. Vielleicht sehen sie auch junge und ältere Frauen, die
mit Kindern spielen, singen oder turnen; die Bilderbücher vorlesen, Nasen
putzen, kleine Verletzungen verarzten, weinende Kinder trösten oder die um
diese Jahreszeit das Laternenfest vorbereiten oder ab demnächst Weihnachtsgeschenke für die Eltern basteln.
Kurzum:
eine schöne, heile Welt, die mit dem Eintritt in die Schule – mit dem
bekanntlich der Ernst des Lebens beginnt – endet.
Ich
gehe davon aus, dass viele von Ihnen sich darüber wundern, warum wir – die
AktivistInnen der Plattform EduCare – daran etwas ändern wollen. Warum wir für die
Aufwertung der Institution Kindergarten und für die akademische Ausbildung von
KindergartenpädagogInnen eintreten. Vielleicht fragen Sie sich auch, wozu „man“
für das Spielen, Singen und Vorlesen, für das Naseputzen und Trösten eine
akademische Ausbildung braucht?
Ich
will versuchen, es Ihnen in einigen Sätzen verständlich zu machen.
Durch
die Hirnforschung ist heute wissenschaftlich erwiesen, was viele Generationen
vor uns auch schon gewusst haben: „Was
Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ Das gilt natürlich auch für
das Gretchen.
· Im
Kindergartenalter - und auch schon davor - entwickeln sich alle jene Verknüpfungen
im Gehirn, die Basis für jedes weitere Lernen ist.
· In
diesem Alter sind alle Mädchen und Buben neugierig und wissbegierig und wollen
den lieben langen Tag diese Neugier und Wissbegierde befriedigen. Niemand muss sie
zum Lernen auffordern.
· Kinder
in diesem Alter lernen im wahrsten Sinne des Wortes „spielend“ und eignen sich dabei
alle, für das weitere Leben notwendigen, intellektuellen und sozialen
Kompetenzen an.
Ganz ohne Unterstützung lernen
aber auch Kinder in diesem Alter nicht:
· Sie
brauchen ab dem 2. Lebensjahr andere Kinder,
· eine
phantasieanregende Umgebung, die genügend Platz zum Spielen und zum Ausleben
des Bewegungsdranges bereithält
· und sie
brauchen die Erwachsenen. Menschen, die auf sie eingehen, die ihre Fragen,
Sorgen, Ängste aber auch ihre Ideen ernst nehmen und die bereit sind, gemeinsam
mit ihnen nach Antworten und Lösungen suchen.
Heutzutage
gibt es solche Mütter nur mehr sehr selten und es steht mir nicht zu, dies zu
bewerten. Es ist einfach eine Tatsache, genauso wie die, dass es kaum noch
Familien mit mehreren Kindern gibt und dass es auch viel zu wenig Platz, –
drinnen und draußen - in denen Kinder gefahrlos ihren Bewegungsdrang ausleben
können, gibt.
Der Kindergarten von heute hat den
Auftrag, alle Kinder für die Schule und für das Leben fit zu machen.
Der
Ausbau von Kindergartenplätzen wird rasant forciert, weil europaweit alle
Regierungen erkannt haben, dass viel zu viele Kinder bereits mit einem Defizit
in die Volksschule kommen, das nur mehr schwer aufzuholen ist.
In
Österreich müssen seit einigen Jahren alle 5 jährigen Kinder den Kindergarten
besuchen. Die KindergartenpädagogInnen arbeiten nach einem bundesweit gültigen
Bildungsplan, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen fußt und in dem alle
Bildungsbereiche festgelegt sind. Sie sind aufgefordert, jedes einzelne Kind zu
beobachten und dabei einerseits spezielle Begabungen und Interessen zu erkennen, andererseits aber auch zu sehen, wo Hilfe und
zusätzliche Förderung notwendig ist, um allen Buben und Mädchen einen guten
Start in die Schule zu verschaffen.
Bei dieser Aufgabenstellung stellt
sich die Frage: warum wird der Kindergarten vor dem Gesetz nicht gleich
behandelt, wie die Schule?
Warum
ist der Kindergarten nicht im Bildungssystem eingliedert und warum werden die
KindergartenpädagogInnen nicht endlich wie alle anderen PädagogInnen an
Hochschulen und Universitäten ausgebildet?
Diese
Fragen stellen sich die verantwortlichen PolitikerInnen noch nicht oft genug.
Da braucht es „Nachhilfe“ von der Zivilgesellschaft. Da braucht es lästige und
unnachgiebige Menschen, die immer wieder diese Fragen stellen und auf Antworten
drängen.
Das
war es, was ich in den letzten Jahren gemacht habe und was ich weiter machen
werde. Vieles ist gelungen, aber es ist noch viel zu tun.
Danke
für Ihre Aufmerksamkeit!
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