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Dienstag, 10. Dezember 2013

Wie viel Partnerschaft verträgt unser Kinderbetreuungssystem?


Bildung als Chance zur Selbsterfahrung: Der Bundesverband Österreichischer Elternverwalteter Kindergruppen (BÖE) feiert im Herbst 2013 sein 25-jähriges Jubiläum. Fast genauso lang bildet der BÖE BetreuerInnen von Kindergruppen aus.  Im Frühjahr 2014 startet unser nächster Bildungszyklus.

Mehr als 6.000 Kleinkinder in Österreich werden in über 400 Elternverwalteten Kinder- und Spielgruppen betreut. Das sind neben öffentlichen und privaten Kindergärten die meisten institutionellen Betreuungsplätze für Kleinkinder in Österreich, die in einem Landesverband bzw. in einer bundesweiten Interessensvertretung (BÖE) vernetzt sind.

Während sich im Deutschland der Siebzigerjahre Kinderläden als alternative Betreuungsform entwickelten, erfasste Österreich eine ähnliche Bewegung. „Die ersten Kindergruppen sind damals in den größeren Städten gegründet worden. Mütter und Väter haben das pädagogische Wort ergriffen und auf selbstverwalteter Basis kleine, familienähnliche Betreuungsorte eingerichtet“, erläutert Grete Miklin. Sie wirkt seit Ende der 1990er Jahre beim BÖE in der Entwicklung der Fortbildung zum Kindergruppenbetreuer mit. Diese neue Betreuungsform spricht Kindern Freiheit und Selbstverantwortung zu – was damals keine Selbstverständlichkeit war!

BÖE-Bildungszyklus

Mit zunehmender Professionalisierung der selbstverwalteten Einrichtungen entstand Ende der 1980er Jahre das Bedürfnis, all die Erfahrungen und Erkenntnisse der Pionierzeit als Ausbildungsinhalte zu definieren und mit reformpädagogischen Inhalten zu verknüpfen. Die Lehren und Ideen von Maria Montessori, Rebecca und Maurizio Wild, der Stadt Reggio wie auch des Franzosen Célestin Freinet fanden Eingang in das Leitbild der Kindergruppen, den „Anderen Umgang“. Er beruht auf Partnerschaft und Gleichwürdigkeit von Kindern und Erwachsenen und ist die Grundlage des BÖE-Bildungszyklus, der Ausbildung zum Kindergruppenbetreuer.

Hintergrund aller Bildungsaktivitäten ist das gleichberechtigte Verhältnis aller Beteiligten einer Kindergruppe. Bildung wird als Chance zur Selbsterfahrung, als Bewusstseinsbildung verstanden, die für niemanden, der mit Kindern zu tun hat, je abgeschlossen sein kann. Dafür sind zum einen der Erwerb von praktischen und theoretischen Grundlagen in der Arbeit mit Kindern und zum anderen die Reflexion der Praxis, der Erfahrungsaustausch und die Selbsterfahrung notwendig.

Der BÖE-Bildungszyklus ist die einzige Ausbildung in Österreich, die bundesländerübergreifend in diesem Bereich anerkannt ist und bietet jeweils einer kleinen Gruppe zukünftiger KindergruppenbetreuerInnen in 20 Monaten eine fundierte Ausbildung, die sich aus 18 Wochenendseminaren, verpflichtetem Literaturstudium und einem Abschlussprojekt zusammensetzt. Weitere Voraussetzung ist berufsbegleitende Praxis in Form eines Praktikums oder einer Anstellung in der Höhe von mindestens 10 Wochenstunden. Dies gewährleistet die ständige Reflexion und Ver-Arbeitung des Gelernten. Die TeilnehmerInnen werden von den BÖE-MitarbeiterInnen durch die Ausbildung begleitet. Der nächste BÖE-Bildungszyklus startet am 4. April 2014. Bewerbungen unter den genannten Voraussetzungen können bis 15. März 2014 berücksichtigt werden. Der BÖE wird seit über 20 Jahren vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend gefördert.

Nähere Informationen:

BÖE – Bundesverband Österreichischer Elternverwalteter Kindergruppen
Grete Miklin
Web: www.kindergruppen.at
E-Mail: boe@aon.at
Tel: 01 409 66 04

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